Die Rolle von Fehlersensitivität bei der Aufrechterhaltung der Lese-Rechtschreib-Schwäche

1. Förderphase

Studienlaufzeit
  • 2011 - 2013
Leitung Münte, Thomas (ORCID: 0000-0001-9843-2124)
Mitarbeit Heldmann, Marcus
Beteiligte Institution
Eine mangelnde Sensitivität gegenüber Fehlern beim Schreiben und Lesen kann eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) aufrechterhalten. Befunde der kognitiven Neurowissenschaft zeigen, dass Fehlerdetektion mit Aktivierungen des medialen präfrontalen Kortex einhergeht. (...) In dem Projekt sollte zunächst gezeigt werden, dass (a) bei Normalpersonen für die Detektion von Schreibfehlern ähnliche Aktivitäten des medialen präfrontalen Kortex zu beobachten sind wie bei einer Fehlerdetektion in anderen kognitiven Domänen und (b) dass diese Fehlerkorrelate bei Personen mit LRS vermindert sind. Die kortikale Aktivierung bei der Fehlerdetektion wurde mit ereigniskorrelierten Potenzialen (ERP) erfasst. Vergleichend wurde zwischen Kindern der Klassenstufe 2 und der Klassenstufe 4 untersucht, wie sich die Fehlersensitivität bei normal lesenden Kindern und normal schreibenden Kindern gegen Ende der Grundschulzeit ausgebildet hat. Für die Untersuchung der Selbstüberwachung beim Schreiben wurde ein neuartiger Versuchsaufbau entwickelt, bei dem Eingaben über die Computertastatur erfasst wurden und für die Generierung von Hirnpotenzialen verwendet werden konnten. [Damit] sollten die neuronalen Korrelate der Fehlersensitivität beim Schreiben dargestellt werden. Ausgehend von Befunden, dass (a) extern applizierte Feedbacksignale effektive Lernsignale sind und (b) unter Bedingungen der Fehlerminimierung (errorless learning) schnelleres Lernen erfolgt, wurde ein Interventionsprogramm konzipiert, das Eingaben des Probanden nach einem Diktat in Echtzeit erfasst, Fehler sofort rückmeldet und eine fehlerfreie Eingabe im Sinne eines errorless learning erzielt. Die Analyse der reaktionsbezogenen ERPs zeigte, dass im Vergleich zu Erwachsenen mit und ohne LRS und zu Kindern der 2. Klassenstufe Kinder der 4. Klassenstufe eine ausgeprägte Aktivierung im medialen präfrontalen Kortex zeigen, die auf erhöhte selbstreferenzielle Lernmechanismen schließen lässt. Waren wie bei Erwachsenen mit LRS diese selbstreferenziellen Lernmechanismen nicht valide, konnte ein fehlerfreies Lernen helfen, diese Mechanismen zu konsolidieren. (DIPF/Projektträger)
Kontakt der Studie
  • thomas.muente@neuro.uni-luebeck.de
Förderprogramm / Forschungsprogramm
Fördereinrichtung Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Förderkennzeichen 01GJ1009

Publikationen

  • Rüssler, J. & Gerth, I. & Heldmann, M. & Münte, T. (2015). Audiovisual perception of natural speech is impaired in adult dyslexics. An ERP study. Neuroscience, 55-65.
    Literaturnachweis auf fachportal-paedagogik.de
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