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Informieren Datenmanagement Transkription qualitativer Daten

Transkription qualitativer Daten

In qualitativen Forschungsprojekten gehört die Transkription – entweder von Audioaufnahmen oder Videoaufzeichnungen – zu den wesentlichen Arbeitsschritten, um das Material anschließend analysieren zu können.

Transkription: Verschriftlichung von Gesprochenem (Worte, Wortfolgen, ggf. lautliche Gestaltung, die Rede begleitende nicht-sprachliche Gesten oder Handlungen) und Beobachtetem (auditiv oder audiovisuell aufgezeichneter Daten).

Über den Sprachtext hinaus kann transkribiert werden:

  • Pausen,
  • Dehnungen,
  • Verzögerungen,
  • Schweigephasen,
  • gleichzeitiges Sprechen,
  • Änderungen in Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit,
  • bei Videoaufnahmen: nonverbale Kommunikation wie Gestik, Mimik und Blickkontakt etc., Armbewegung, Kopfdrehung, sonstige Bewegungen im Raum, Beschreibung der gesamten Szene.

Der jeweilige Forschungsgegenstand, die an das Material gestellten Fragen oder die Fachdisziplin bestimmen hierbei nach welchen Transkriptionsregeln verschriftlicht wird und was über den Sprachtext hinaus zu transkribieren ist.

Die Form und Genauigkeit der Transkription entscheidet über die Möglichkeiten der Auswertung und Analyse – was nicht im Transkript übernommen wurde, ist für Analysen, die rein auf dem Transkriptionstext beruhen, quasi nicht mehr existent.

Software zur Transkription von Audio- und Videoaufnahmen

Aufgezeichnete Interviews, Gruppendiskussionen oder Unterrichtssituationen werden in der qualitativen Bildungsforschung meist mit Hilfe einer Software manuell transkribiert.

Im Gegensatz zu reinen Abspielprogrammen, kann die Wiedergabe der Aufnahmen mit solchen Transkriptionsprogrammen

Wird die Wiedergabe der Aufzeichnung gestoppt, wird diese vom Programm automatisch einige Sekunden zurückgespult,
um eine gute Verknüpfung an das zuvor Gehörte beim Wiedereinstieg zu ermöglichen.

Über diese Grundfunktionalitäten hinaus bieten die Hersteller von Transkriptionssoftware unterschiedliche Zusatzfunktionen an,
wie z. B.

Aufwand der Transkription: Als Daumenregel gilt hierbei: Für die manuelle Transkription einer Interviewstunde nach einfachen Transkriptionsregeln fallen etwa vier bis acht Stunden Bearbeitungs- und Korrekturzeit an.

 Weiterführende Links

Einen guten und regelmäßig aktualisierten Überblick über verfügbare Software (kostenfrei und kostenpflichtig) gibt das Gesprächsanalytische Informationssystem des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) Mannheim: http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/GAIS/TranskriptionIndex  

Automatische Spracherkennungssoftware

Neben den Programmen, die eine manuelle Transkription unterstützen, existiert mittlerweile auch eine Vielzahl an automatischer Spracherkennungssoftware.

Als Spracherkennung werden Verfahren bezeichnet, die gesprochene Sprache computergestützt in Schriftform übersetzen. Oftmals spricht man auch von Diktiersoftware.

Voraussetzung einer möglichst fehlerfreien Erkennung und Verschriftlichung des Gesprochenen ist, dass die Software zuvor auf die Sprechweise der diktierenden Person, mit einer möglichst deutlichen und einheitlichen Aussprache und Betonung, trainiert wurde.

Damit sind Spracherkennungsprogramme – zum jetzigen Stand der technischen Entwicklung – nur bedingt geeignet, um Interviews und Gruppendiskussionen zu transkribieren.
Dies liegt vor allem an der Komplexität der Gesprächs- oder Interviewsituation. So ist das Programm bei solchen Aufnahmen mit Wortabbrüchen und Wortverschleifungen, dem gleichzeitigen Sprechen der beteiligten Personen, mundartlichen Sprechweisen und meist zahlreicher Umgebungsgeräusche konfrontiert und stößt hier an seine Grenzen.

Dies gilt noch einmal verstärkt, wenn die Transkription in Partiturschreibweise oder mit Intonationszeichen vorgesehen ist. Die Software kann eine so detaillierte Verschriftlichung als Partitur und mit angemessenen Sonderzeichen nicht leisten.

Ob eine Spracherkennungssoftware trotzdem teilweise und unterstützend in den Transkriptionsprozess mit eingebunden wird, bleibt letztendlich aber jedem selbst überlassen und ist auch abhängig von den unterschiedlichen Zwecken, die mit der Transkription erreicht werden sollen.

  Weiterführende Links

Ein Überblick und Vergleich aktueller auf dem Markt existierender kostenpflichtiger Programme findet sich hier: https://www.netzsieger.de/k/spracherkennungssoftware  .

Literaturhinweise

Dresing, T., T. Pehl und C. Lombardo. 2008. Schnellere Transkription durch Spracherkennung? Forum Qualitative Sozialforschung/ Forum Qualitative Social Research: 9(2): Art. 17. Verfügbar unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802174  .

Fuß, S. und U. Karbach. 2014. Grundlagen der Transkription. Eine praktische Einführung. Opladen & Toronto: UTB.

 

letzte Aktualisierung: 27.07.2017

Hinweise

 

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  Hinweise zur Anonymisierung von qualitativen Daten



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